Roadbook lesen: Pfeilskizzen, Chinesenzeichen und Fischgräten
Roadbook lesen lernen: So funktionieren Pfeilskizzen, Chinesenzeichen und Fischgräten bei Oldtimer-Rallyes. Mit Beispielen und typischen Fallen.

Ein Rallye-Roadbook beschreibt die Strecke nicht mit Straßennamen, sondern mit Skizzen, Symbolen und Distanzen. Die drei häufigsten Formen sind Pfeilskizzen, Chinesenzeichen und Fischgräten. Wenn du ihre Logik einmal verstanden hast, findest du dich auf jeder Oldtimer-Rallye zurecht.
Aufbau eines Roadbooks
Das Roadbook ist das wichtigste Dokument im Auto. Es führt dich Abschnitt für Abschnitt durch die Rallye. Bei klassischen Pfeilskizzen-Roadbooks ist jede Seite meist wie eine Tabelle aufgebaut:
| Spalte | Inhalt |
|---|---|
| Gesamt-km | Strecke seit Start der Etappe |
| Teil-km | Strecke seit dem letzten Punkt |
| Skizze | Pfeilskizze der Kreuzung |
| Hinweis | Schilder, Ortsnamen, Kontrollen, Schnittangaben |
Wie genau das Roadbook aussieht, hängt vom Veranstalter ab. Lies vorne die Legende, dort sind die verwendeten Symbole erklärt.
Pfeilskizzen (Tulpen)
Die Pfeilskizze, international auch Tulpe genannt, zeigt eine Kreuzung so, wie du sie beim Heranfahren siehst. Die Grundregeln:
- Der Punkt markiert, wo du in die Kreuzung hineinfährst.
- Der Pfeil zeigt, wo du sie verlässt.
- Abzweigungen ohne Pfeil sind Straßen, die du nicht nimmst.
Skizzen werden immer in Fahrtrichtung gezeichnet, also von unten nach oben. Die Distanz daneben sagt dir, nach wie vielen Kilometern diese Kreuzung kommt. Hier hilft ein genauer Tripmaster, denn viele Kreuzungen sehen auf den ersten Blick gleich aus.
Tipp: Der Beifahrer sollte immer die nächsten zwei Skizzen im Kopf haben. Liegen zwei Kreuzungen dicht beieinander, kündigt er beide gleichzeitig an.
Achte auch auf Kreisverkehre. Sie werden je nach Roadbook als Kreis mit Ausfahrten gezeichnet oder mit einer Zahl für die Ausfahrt versehen. Zähl die Ausfahrten laut mit, dann verwechselst du keine.
Chinesenzeichen
Chinesenzeichen sind stark vereinfachte Kreuzungssymbole, oft ganz ohne Distanzangabe. Ein Strich zeigt, woher du kommst, der Pfeil, wohin du fährst. Die Zeichen werden in der angegebenen Reihenfolge abgefahren.
Die große Frage ist: Was passiert an Kreuzungen, die nicht dargestellt sind? Häufig gilt dann „geradeaus“ oder „der Hauptstraße folgen“. Das ist aber nicht überall gleich. Ob Feldwege, Einfahrten oder Sackgassen als Kreuzung zählen, regelt das Reglement der jeweiligen Rallye. Lies diesen Teil vor dem Start genau.
Chinesenzeichen sind beliebt, weil sie Navigation zur Denksportaufgabe machen. Wer eine Kreuzung falsch zuordnet, merkt das oft erst ein paar Zeichen später.
Fischgräten
Die Fischgräte zeigt einen ganzen Streckenabschnitt als eine durchgehende Linie. Die kurzen Striche links und rechts, die „Gräten“, sind Seitenstraßen, an denen du vorbeifährst. Wo die Linie selbst abbiegt, biegst auch du ab.
Gelesen wird meist von unten nach oben, in Fahrtrichtung. Der Trick besteht darin, die Gräten mitzuzählen: Wenn die Skizze drei Abzweigungen rechts und dann ein Linksabbiegen zeigt, musst du genau diese drei Seitenstraßen passieren. Auch hier gilt: Was als Abzweigung zählt, steht im Reglement.
Karten und andere Aufgaben
Manche Rallyes setzen zusätzlich auf Kartenlesen. Du bekommst einen Kartenausschnitt mit eingezeichneter Strecke, Punkten oder Linien und musst den Weg selbst finden. Hier helfen ein Lineal, ein Textmarker und ein ruhiger Kopf.
Unterwegs warten oft Durchfahrtskontrollen oder Stempelkontrollen. Sie beweisen, dass du die richtige Strecke gefahren bist. Fehlt ein Stempel, hast du dich vermutlich verfahren.
Distanzen richtig nutzen
Die Kilometerangaben im Roadbook hat der Veranstalter mit seinem Fahrzeug gemessen. Dein Wegstreckenzähler misst fast immer leicht anders. Zeigt dein Gerät auf der Eichstrecke 10,15 km statt der vorgegebenen 10,00 km, beträgt dein Korrekturfaktor 10,00 / 10,15 = 0,985.
Ohne Kalibrierung summiert sich dieser Fehler. Nach 20 km liegst du dann schon 300 m daneben. Wie du das korrigierst, erklärt der Ratgeber Wegstreckenzähler kalibrieren.
Typische Fehler
- Legende nicht gelesen und ein Symbol falsch gedeutet
- Tripmaster an einer Zwischenstelle nicht nachgestellt
- Bei Chinesenzeichen einen Feldweg als Kreuzung gezählt, obwohl er laut Reglement nicht zählt
- Gräten bei Fischgräten nicht mitgezählt
- Nur auf die Skizze geschaut, Schilder im Hinweis ignoriert
Praktisch: so übst du Roadbook lesen
Frag bei deinem Club oder bei Veranstaltern nach alten Roadbooks und fahr eine Etappe nach. Noch besser: Zeichne selbst eine kurze Runde in deiner Umgebung als Pfeilskizzen und Fischgräten und lass dein Team sie fahren. So lernt ihr beide Seiten kennen.
Als Beifahrer solltest du das Roadbook am Vorabend durchblättern, Schnittwechsel markieren und schwierige Stellen anstreichen. Weitere Tricks findest du in unseren Tipps für Beifahrer. Die nächste Gelegenheit zum Üben findest du im Rallye-Kalender.
Seiten mit Distanzen und Sollgeschwindigkeiten kannst du in Rally Co-Pilot mit dem KI-Roadbook-Scanner fotografieren und als Abschnitte übernehmen.
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