Was ist eine Gleichmäßigkeitsrallye? Regeln und Ablauf
Gleichmäßigkeitsrallye einfach erklärt: Schnitt halten statt rasen, Sollzeiten, Lichtschranken, Strafpunkte und wie du als Einsteiger startest.

Bei einer Gleichmäßigkeitsrallye gewinnt nicht das schnellste Auto, sondern das Team, das eine vorgegebene Durchschnittsgeschwindigkeit am genauesten einhält. Gemessen wird in Sekunden oder sogar Hundertstelsekunden, und jede Abweichung kostet Strafpunkte. Deshalb passt die Disziplin so gut zu Oldtimern: Es zählt Präzision, nicht Leistung.
Das Prinzip: Schnitt halten statt Vollgas
Eine Gleichmäßigkeitsrallye läuft auf öffentlichen Straßen, oft über einen oder mehrere Tage. Die Strecke ist in Etappen aufgeteilt. Innerhalb der Etappen liegen die eigentlichen Wertungsabschnitte, die Gleichmäßigkeitsprüfungen, kurz GLP oder GP. Manche Veranstalter sprechen auch von Sonderprüfung.
Für jede Prüfung gibt der Veranstalter einen Schnitt vor, zum Beispiel 36 km/h. Aus Strecke und Schnitt ergibt sich die Sollzeit. Fährst du zu schnell, bist du zu früh an der Messstelle. Fährst du zu langsam, bist du zu spät. Beides kostet Punkte, denn gewertet wird die Zeitabweichung.
Im englischen Sprachraum heißt das Format oft TSD-Rallye, von Time, Speed, Distance. Gemeint ist im Kern dasselbe.
Wie wird gemessen?
Wo genau die Zeit genommen wird, weißt du meist nicht. Genau das macht den Reiz aus. Je nach Veranstaltung kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:
- Lichtschranke: Ein Sensor am Straßenrand löst aus, sobald dein Auto vorbeifährt.
- Druckschlauch: Ein Schlauch quer über der Fahrbahn registriert den Moment, in dem dein Vorderrad darüberrollt.
- GPS-Zeitmessung: Ein Tracker im Auto zeichnet die Fahrt auf. Gemessen wird an virtuellen Punkten entlang der Strecke.
- Geheime Kontrollen: Messpunkte, die nicht im Roadbook stehen. Du musst also die ganze Prüfung über im Soll bleiben, nicht nur am Ende.
Viele Rallyes kombinieren mehrere Methoden. Mehr dazu liest du im Ratgeber zu den Methoden der Zeitmessung.
Strafpunkte und Wertung
Für jede Hundertstel oder jede Sekunde Abweichung gibt es Strafpunkte. Wie viele genau, regelt das Reglement der jeweiligen Veranstaltung. Oft gibt es eine Obergrenze pro Messung, damit ein einzelner Patzer nicht die ganze Rallye kostet.
Dazu kommen Strafen außerhalb der Prüfungen, etwa für zu frühes oder zu spätes Eintreffen an einer Zeitkontrolle oder für eine verpasste Durchfahrtskontrolle. Stempel und Zeiten landen auf deiner Bordkarte. Pass gut auf sie auf.
Manche Veranstalter rechnen das Ergebnis mit einem Koeffizienten um, der vom Baujahr abhängt. Ältere Autos bekommen so einen Ausgleich für schwächere Bremsen, Motoren und Instrumente.
Wer fährt mit?
Typisch sind historische Fahrzeuge, also Oldtimer und Youngtimer. Welche Baujahre zugelassen sind, steht in der Ausschreibung. Manche Rallyes orientieren sich an den Fahrzeugklassen der FIVA, andere haben eigene Regeln. Einige öffnen auch eine eigene Klasse für jüngere Autos.
Im Auto sitzen zwei Personen. Der Fahrer hält die Geschwindigkeit, der Beifahrer navigiert nach dem Roadbook, rechnet und sagt Zeiten an. Bei vielen Teams entscheidet der Beifahrer, ob es fürs Podium reicht oder fürs Mittelfeld.
Gleichmäßigkeit, Orientierung, Speed: die Unterschiede
| Format | Was zählt | Typisch für |
|---|---|---|
| Gleichmäßigkeitsrallye | Schnitt und Sollzeit exakt einhalten | Klassik-Rallyes, Oldtimer-Touren |
| Orientierungsfahrt | Richtige Strecke finden, alle Kontrollen erwischen | Clubveranstaltungen, Einsteiger-Events |
| Rallye mit Speed-Wertung | Schnellste Zeit auf abgesperrter Strecke | Motorsport mit Lizenz |
Viele Oldtimer-Rallyes mischen Gleichmäßigkeit und Orientierung. Du bekommst dann Pfeilskizzen oder Chinesenzeichen und musst den Weg finden, während die Uhr läuft. Wie du die liest, erklärt der Ratgeber Roadbook lesen.
Was brauchst du dafür?
Für den Anfang reicht weniger, als viele denken:
- ein verkehrssicheres Auto, das zur Ausschreibung passt
- Führerschein und Fahrzeugpapiere
- eine zuverlässige Stoppuhr, besser zwei
- einen genauen Wegstreckenzähler oder Tripmaster
- Stifte, Klemmbrett und eine Leselampe fürs Roadbook
Ambitionierte Teams fahren mit einem Rallye-Computer, der Soll und Ist laufend vergleicht. Ob solche Geräte erlaubt sind, regelt die Ausschreibung. Oft gibt es dafür eigene Klassen.
So startest du
Such dir zuerst eine Veranstaltung mit Einsteigerklasse oder touristischer Wertung. Im Rallye-Kalender findest du Oldtimer- und Gleichmäßigkeitsrallyes in Deutschland, Österreich, der Schweiz und darüber hinaus. Lies die Ausschreibung genau: Dort stehen zugelassene Fahrzeuge, erlaubte Hilfsmittel und die Art der Wertung.
Vor dem ersten Start lohnt sich eine Proberunde. Rechne ein paar Strecken mit dem Schnittrechner durch und fahr sie auf einer ruhigen Landstraße nach. Du merkst schnell, wie schwer es ist, 36 km/h über mehrere Kilometer exakt zu halten. Unsere Checkliste für die erste Oldtimer-Rallye hilft dir bei der restlichen Vorbereitung.
Rally Co-Pilot berechnet auf dem iPhone die Sollzeit jedes Abschnitts und zeigt dir live per GPS, wie viele Meter du vor oder hinter dem Soll liegst.
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